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Was ist Bisexuell

Eines gleich mal vorweg:
selbstverständlich ist Bisexualität keine Sexualpraktik im herkömmlichen Sinn, der Begriff bezeichnet vielmehr eine besondere Form der sexuellen Orientierung.

Als bisexuell werden Menschen bezeichnet, die ihren Geschlechtstrieb sowohl mit gleichgeschlechtlichen Partnern als auch mit solchen des anderen Geschlechts ausleben

Die wörtliche  Übersetzung ist “Doppelgeschlechtlichkeit” und kommt aus dem Lateinischen “Bi=zwei”.
Man benutzt die Bezeichnung bei  uns aber nicht für Zwitter, sondern für Menschen, die Männer und Frauen  sexuell anziehend finden und mit beiden Geschlechtern Sex haben. Im  Gegensatz dazu nennt man jemanden, der nur Menschen des gleichen Geschlechts  liebt “homosexuell” und jemanden der nur gegengeschlechtliche Personen liebt  “heterosexuell”.
Somit ist eigentlich der Begriff Bisexuell nicht die richtige Bezeichnung für uns, sondern wir sind ebenfalls unter dem Oberbegriff “homosexuell” neben dem Begriff Schwul und Lesbisch einzuordnen.
Sicher wird jetzt der eine oder andere vehement aufschreien und das Schwul- oder Lesbischsein energisch von sich weisen.
Das kenne ich nur zu gut, auch ich bezeichne mich lieber als Bi statt als Schwul, aber dazu komme ich noch.

Glaubt man Forschungsergebnissen, so soll je nach Hormonzufuhr während der Schwangerschaft das soziale oder das sexuelle Verhalten männlich oder weiblich ausgeprägt werden. Eine bisexuelle Grundstruktur gibt es bei allen Lebewesen. Auch der menschliche Embryo ist bis zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats zweigeschlechtlich. Erst danach differenziert sich das biologische Geschlecht in eine männliche oder weibliche Form.

Normalerweise stimmt das körperliche Geschlecht mit dem sexuellen und sozialen Geschlecht überein, es sind aber auch alle anderen Kombinationen denkbar.
So gibt es z.B. sehr feminine Lesben oder auch sehr maskulin wirkende Schwule und umgekehrt. Letztendlich ist das Gehirn ausschlaggebend dafür, wie weiblich oder männlich ein Mensch sich verhält (basierend auf der Testosteronausschüttung während der Schwangerschaft). Es gibt Männer mit einem sehr weiblichen Gehirn und umgekehrt auch Frauen mit einem stark männlichen Gehirn. Aber was ist schon ein "weibliches" und was ein "männliches" Gehirn?
Männer und Frauen unterscheiden sich natürlich auch vom Verhalten / Denken und von den Fähigkeiten her, das ist uns wohl allen klar. Aber dass das ganze evolutionsbiologisch bedingt ist, ist noch lange nicht erwiesen und auch nicht das, wovon die moderne Forschung ausgeht.
Sicher spielt aber für die weitere Ausprägung der Sexuellen Veranlagung auch die Erziehung und die eigenen Erfahrungen eine nicht unbedeutende Rolle.

Sexualität zwischen Männern ist eine der Spielarten unserer Sexualität. Sie wird dann zum Thema, wenn Sie selbst oder Ihre Umgebung ein Problem damit hat.

Bisexuelle Anlagen sind in fast jedem Menschen vorhanden.
Besonders stark ausgeprägt sind sie jedoch bei jungen Menschen, bei denen die Geschlechtsreife noch nicht abgeschlossen ist. Durch Erziehung und Moral entscheiden sich die meisten Menschen meistens dafür, ihre bi-sexuelle Seite zu unterdrücken. Die Wissenschaft geht davon aus, dass etwa 10 - 20 Prozent der deutschen Bevölkerung bisexuell orientiert sind und etwa 7 Prozent ihre bisexuellen Neigungen auch ausleben, sich also nicht auf ein Geschlecht fixiert haben, sondern in beide Richtungen offen sind.

Der bekannteste Spruch aus dem Volksmund zu diesem Thema:

                                      Einfach “ein bisschen bi schadet nie”.

Doch so einfach ist es nicht. Denn bisexuell zu sein bringt eine Menge Schwierigkeiten und Vorurteile mit sich. Wie so oft, gibt es auch hier mindestens zwei Seiten.

Sich vor den Spiegel zu stellen und sich einzugestehen homosexuell zu sein, kostet Zeit und Kraft.
Welch ein Segen bisexuell zu sein, wenn Coming Out und Selbsterkenntnis nur halb so schwer sind? Stars und Möchtegernsternchen outen sich als bisexuell. Wer auf beide Geschlechter steht, ist in.
Alles Augenwischerei.
Viele Jungs und Mädchen sind eher zerrissen als glücklich damit, eine doppelte Auswahl zu haben. Das Problem ist selten die grössere Auswahl, viel mehr die Einschränkung sich in dieser Gesellschaft entscheiden zu müssen. Entweder Mann oder Frau.
Solange das Vergnügen eine Rolle spielt, stellt sich selten die Frage nach einem Familienleben, aber irgendwann ist sie da.

Und da wird die Zweierbeziehung zum Problem

 “Wähle ich ein stinknormales Familienleben und Unterdrücke wichtige Sehnsüchte oder gehe ich das Risiko ein mein eigenes Geschlecht zu lieben, vielleicht auf Kinder zu verzichten und mich gesellschaftlich wohlmöglich auszugrenzen?”

Solche Fragen stellen sich auch in einer Beziehung ohne weitreichendes Lebensziel. Bisexuelle Jungs und Mädchen lieben beide Geschlechter. Sie werden teilweise zu einer Entscheidung gezwungen, die sie nicht treffen wollen. Schnell wird daraus ein Vorurteil, dass Bisexuelle sich nicht trauen zu ihrer Homosexualität zu stehen, aber niemand behauptet, dass sie nicht zu ihrer Heterosexualität stehen. Ihnen wird selten zugestanden, dass sie für beide Geschlechter gleichermassen etwas empfinden können. Die einseitige Sichtweise vieler Menschen passt nicht zur Bisexualität.

Bisexualität als Schein?

Sicherlich gibt es Jungs und Mädchen, die sich als bisexuell bezeichnen, um es sich selbst und Aussenstehenden, wie z.B. Eltern und Freunden akzeptabler zu machen, eine Neigung zum eigenen Geschlecht zu besitzen. Es klingt manchmal nur halb so schlimm wie schwul oder lesbisch.

Auf der anderen Seite sehen sich viele bisexuelle Mädchen und Jungs gezwungen sich als homosexuell zu bezeichnen. Sie sind genervt und wollen sich einer langwierigen und überflüssigen Diskussion um ihre Bisexualität entziehen. Sie geben vor, etwas zu sein, was sie nicht sind.

Kein Verständnis für eine weitere Sexualität

Ein Verhalten, das die meisten jungen Lesben und Schwule bestens kennen. Aber das Verständnis für noch eine weitere Bisexualität hört meistens bei der eigenen auf. Mitunter ist das ein Grund, warum sich Bisexuelle immer häufiger auch ausserhalb der homosexuellen Szene organisieren.

Weiterer Grund sich nicht als bisexuell zu outen: Egal ob homosexuell oder heterosexuell, der oder die andere hat häufig das Gefühl mit dem anderen Geschlecht konkurrieren zu müssen, mit dem Wissen dies nicht zu können. Darum lassen sich viele erst gar nicht auf Bisexuelle ein. Die Chance den Freund oder die Freundin beim eigenen Geschlecht zu verlieren erscheint sogar geringer. Erstaunlich, oder?

Sexuelle Identitäten halten selten ein Leben lang

Eine bisexuelle Grundstruktur gibt es nicht nur bei Menschen, sondern bei allen Lebewesen. Es wird davon ausgegangen, dass sich die sexuellen Neigungen in der Pubertät ausbilden. Aber selbst wenn sich eine homo- oder heterosexuelle Identität ausgebildet hat, ist diese nicht bindend für das ganze Leben. Die sexuelle Identität kann sich mehrfach Ändern.

Bin ich bisexuell?

Bin ich bisexuell, wenn ich als Junge Sex mit Jungs habe und Beziehungen mit ihnen haben, aber rein theoretisch mit einem Mädchen glücklich werden könnte? Die Antwort lautet ja.

Es gibt kein richtiges oder falsches bisexuell. Vielen fällt es aber leichter durchs Leben zu kommen, indem sie sich für eine Seite entscheiden. Gründe gibt es dafür mehr als einen. Manche haben schlechte Erfahrungen gemacht mit einem Geschlecht, andere möchten dem Hin- und Her zwischen Jungs und Mädchen entfliehen.

Eigentlich gibt es keine Bisexualität, sondern nur bisexuelles Verhalten

 

Wie schon erwähnt, ist das Wort Bisexualität wissenschaftlich umstritten, denn es suggeriert eine Dreiteilung zwischen Heterosexualität, Bisexualität und Bisexualität, die es so nicht gibt. Der Sexualaufklärer Oswald Kolle sagte, dass “jeder Mensch bisexuell ist”.

Denn im Prinzip befindet sich zwischen Bisexualität und Heterosexualität eine grosse Skala, in der sich die meisten Menschen einreihen können. Dieses würde man als bisexuelles Verhalten bezeichnen.

Jeder einzelne entscheidet für sich selbst, wie er/sie glücklich wird. Nicht immer ist die Entscheidung leicht und richtig. Manche haben einfach das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt, wenn sie nur mit einer Person zusammen sind. Sie möchten beides haben und manchmal gleichzeitig. Die “anderen” Neigungen zu unterdrücken oder sie heimlich in einer Beziehung auszuleben sorgen für Stress und können mitunter zu gesundheitlichen Problemen führen.

Dreierbeziehung und viele Fragen

In Europa ist die Gesellschaft gerade dabei Bisexualität zu tolerieren.
Dagegen ist das Verständnis für eine Art Dreierbeziehung noch sehr gering. Wenn Homosexuelle zusammenleben, Familien gründen und heiraten, ist dies nachvollziehbar, weil es sich um zwei liebende Menschen handelt. In keines der Weltbilder passt eine Beziehung zwischen drei Personen. Erst recht, wenn diese noch eine Familie gründen will. Wer ist dann Vater, und wer Mutter? Wie werden Verantwortungen geteilt und gibt es keine Probleme beim Sex? Fragen, die nicht immer zu beantworten sind, weil sie vielleicht nicht passen.

In den falschen Menschen verlieben?                                                   

Im Grunde genommen sind fast alle Menschen bisexuell. Doch im Laufe unseres Lebens werden wir geprägt durch Erziehung, Erfahrungen und Zufälle. Egal welche Einflüsse unsere sexuelle Identität auch prägen, sie muss nicht für ewig währen. Wer sagt dir, dass du dich in fünf Jahren nicht in jemanden verliebst, in den du dich gar nicht verlieben dürftest?

Aber was passiert, wenn das Leben eines Jungen oder Mädchens niemals soweit beeinflusst wurde, sich entscheiden zu müssen zwischen Mädchen und Junge, wenn eine sexuelle Identität nicht einseitig geprägt wurde?
Dann ist dieser Jugendliche nicht homo- oder heterosexuell, sondern bisexuell.

Eines haben wir aber alle gemeinsam:

Du, ich und all die anderen suchen einfach das Glück.

Und einfach gibt es nicht.
 
  

Eigentlich weisst Du das Du Bi bist, aber wenn Du immer noch Zweifel daran hast, empfehle ich Dir

      “Das Testbuch” von Allan und Barbara Pease, erschienen im April 2004,

kostet auch nur 7,95 Euro. Sehr interessant ist auch das Buch

                       "Vom ersten Tag an anders" von Simon Baron-Cohen,

vor allem nicht so pseudowissenschaftlich wie die meisten anderen Bücher zu diesem Thema.

 

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