|
Ok, Du bist hier, weil Du auch Bisexuell bist oder Dich dafür interessierst. Aber vielleicht ist es ja mal ganz interessant zu wissen, was bedeutet eigentlich Bisexuell und ist das eine Laune der Natur oder vielleicht eine perverse, abartige Neigung?
Bin ich schwul? Bin ich bisexuell?
Muss ich mich entscheiden?
Welche Konsequenzen hat das für mein Leben?
Was bedeutet das für meine Beziehungen zu Familien, FreundInnen, in meiner Wohnumgebung, am Arbeitsplatz?
Wo ist es notwendig und sinnvoll, meine sexuelle Orientierung offen zu legen?
Wo wird sie akzeptiert?
Wie begegne ich Vorurteilen und Diskriminierungen?
Eine ganze Reihe von Fragen und sicher hast Du noch viel mehr.
Ich möcht mal versuchen einige davon zu beantworten, ohne den Anspruch auf Richtig- oder Vollständigkeit zu erheben. Die meisten Antworten auf diese Fragen habe ich mir im laufe meines Lebens selbst gegeben.
Aber zuvor möchte ich erstmal die gebräuchlichsten Begriffe erklären:
Begriffe*:
Biologisches Geschlecht (engl. "sex"): Das biologische Geschlecht orientiert sich am Bau der Geschlechtsorgane: Beim Menschen kennen wir weibliche Geschlechtsorgane (wie die Scham, Scheide, Eileiter Eierstock und Gebärmutter) bzw. männliche Geschlechtsorgane (Vorsteherdrüse, Hoden und Penis). [Zwittrige Lebewesen wie einige Pflanzen besitzen sowohl weibliche wie männliche Organe].
Soziale Geschlechts-Rolle des Alltags (engl. "gender"): Die soziale Geschlechtsrolle haben wir durch Erziehung und unbewusste Sozialisation erlernt. Sie ist eine kulturelle Kodierung. Beispiele: Mädchen machen einen Knicks, Jungen einen Diener; Jungen knöpfen das Hemd rechts, Mädchen die Bluse links; Jungen weinen nicht, Mädchen dürfen Emotionen zeigen; Jungen dürfen mit Mädchen flirten, mit Männern aber nicht, dieses entspricht nicht ihrer kollektiv erwarteten Geschlechtsrolle.
Subjektives Geschlecht: Das innere Geschlecht, wie wir uns fühlen. Psychologisch gesehen hat jeder Mensch weibliche und männliche Persönlichkeits-Züge bzw. männliche und weibliche Energien (Animus- / Anima-Energien)
Sexuelle Orientierung: Mit "sexueller Orientierung" ist gemeint, zu welchem Geschlecht sich jemand mit seinem Fühlen und Begehren hingezogen fühlt. Verschiedene Menschen haben verschiedene sexuelle Orientierungen, das ist ganz normal. Kein Mensch kann sich seine sexuelle Orientierung, sein erotisches Begehren und erotisches Hingezogenfühlen, aussuchen. Die sexuelle Orientierung ist grundlegend vorgegeben, man kann sie nicht ändern, sondern nur erkennen, entfalten und mit einem Partner leben. Grob eingeteilt kennen wir drei Grundorientierungen: "homo", "hetero" und "bi". Alfred Kinsey hat zwischen Homo und Hetero als Eckpunkte auf einer Skala zusätzlich noch fünf Zwischen-Schattierungen eingeteilt, insgesamt also sieben Differenzierungen. Die Mitte bezeichnet eine bisexuelle Orientierung.
Heterosexualität: Das bedeutet, dass sich jemand von einer Person des anderen Geschlechts angezogen fühlt. Heterosexualität ist eine andere sexuelle Orientierung, gleichwertige Form der sexuellen Liebe.
Bisexualität: Gemeint ist, dass sich jemand gleichermaßen von Personen beiderlei Geschlechts angezogen fühlt. Oft ist von "bi" die Rede. Es besteht die Überlegung, dass Bisexuelle nicht voll zur Homosexualität stehen können bzw. daher auch keinen Partner für längere Zeit finden, so dass sie sich lieber durch den Begriff "bisexuell" als durch den Begriff "homosexuell" kennzeichnen, da sie Homosexualität für sich noch nicht ganz annehmen können bzw. in früheren Lebensabschnitten (vor ihrem Coming-Out) mit einem verschiedengeschlechtlichen Partner gelebt haben.
Homosexualität: Jemand fühlt sich von einer Person des eigenen Geschlechts angezogen und begehrt diese. Bei Männern hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch der Ausdruck "schwul sein" durchgesetzt, bei Frauen der Begriff "lesbisch sein". Heterosexualität ist eine der Homosexualität gleichwertige Form des (sexuellen) Empfindens, Erlebens und der sexuellen Liebe. Bei Menschen, die sich vorwiegend für das gleiche Geschlecht interessieren, sprechen wir von gleichgeschlechtlicher Orientierung (oder homosexuelle Orientierung). Der Sexualitätsaspekt ist nicht der entscheidende, sondern Homosexualität ist eine Liebes- und Lebens-Gemeinschaft mit all ihren Sozial-Dimensionen: So interessiert man sich in der heutigen Forschung nicht mehr für die Entstehung zur einen oder anderen sexuellen Orientierung, sondern für die sozialen Lebensumstände, in denen sie wie verwirklicht werden, wie z.B. (für lesbische bzw. schwule Paare) die partnerschaftlichen Dimensionen einer (gleichgeschlechtlichen) Lebensgemeinschaft in der Familien- und Ehepolitik
Und nachdem ich eben die gebräuchlichsten Begriffe der Sexuellen Veranlagungen erklärt habe, möchte ich auf der nächsten Seite versuchen, den Begriff Bisexuell zu näher zu erklären:
|